Klimaentwicklung in der Region: Interreg Deutschland – Dänemark

Einleitung

Der Klimawandel ist eine globale Herausforderung, die auch die Interreg-Region zwischen Dänemark und Deutschland betrifft. Im Laufe der Zeit, seit 1850 (seit der Industrialisierung), hat sich das Klima in der Region in Richtung wärmerer Bedingungen, mehr Niederschläge und intensiverer Niederschlagsereignisse, Dürreperioden usw. verändert, um nur einige Veränderungen zu nennen.

Das ClimatePol-Projekt zielt darauf ab, die Widerstandsfähigkeit der Region gegen den Klimawandel zu stärken, indem es die Entwicklung des Klimas kartiert, institutionelle Triebkräfte und Hindernisse für die Klimaanpassung identifiziert, und Strategien zur Lösung der durch den Klimawandel verursachten Herausforderungen entwickelt.

ClimatePol konzentriert sich auf das Verständnis und die Handhabung des Klimawandels durch die Entwicklung konkreter Mikromissionen in Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze. Diese Mikromissionen betreffen Bereiche wie Regenwassermanagement, Hochwasserschutz und die Anpassung von Wohngebieten an den Klimawandel. An dem Projekt sind ausgewählte Gemeinden auf beiden Seiten der Grenze beteiligt, um ein koordiniertes Vorgehen zu gewährleisten - dies sind die Gemeinden Vejen (auf dänischer Seite) und Niebüll (auf deutscher Seite).

Zur Unterstützung dieser Arbeit wird eine Kartierung der bisherigen und aktuellen Veränderungen des Klimas durchgeführt, mit Schwerpunkt auf Temperaturanstieg, veränderten Niederschlagsmustern und extremen Wetterphänomenen. Es werden Daten von mehr als 40 Wetterstationen in Dänemark und Deutschland gesammelt und analysiert, um eine solide wissenschaftliche Grundlage für das Klima und die Veränderungen in der Region zu schaffen, mit Schwerpunkt auf dem Zeitraum ab 2011. Auf Grundlage dieser Analysen werden Schlussfolgerungen und Empfehlungen für Entscheidungsträger auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene formuliert, um Klimaanpassungsinitiativen zu verbessern und wirksam zu gestalten.

Daten und Methode

Es werden meteorologische Beobachtungen von mehr als 40 automatischen Wetterstationen verwendet. Die Wetterstationen befinden sich sowohl in Dänemark (in der Region Süddänemark und der Region Seeland, beide Regionen sind Teil von Interreg Deutschland - Dänemark) als auch in Deutschland. Auf deutscher Seite sind dies die Gebiete Flensburg, Schleswig-Flensburg, Nordfriesland, Rendsburg-Eckernförde, Neumünster, Plön, Ostholstein und Kiel.

Für jede der einzelnen automatischen Wetterstationen werden tägliche Daten verwendet. Die Temperaturdaten umfassen die täglichen Höchst- und Mindesttemperaturen sowie die Differenz zwischen den täglichen Höchst- und Mindesttemperaturen. Darüber hinaus wurden die Jahrestemperaturen (Mean Annual Air Temperature, MAAT) und die Veränderung der MAAT analysiert. Auch die Anzahl der Frosttage wird berechnet, wobei ein Frosttag durch eine Tagesmitteltemperatur unter null Grad (<0°C) definiert ist, sowie die Veränderung der Anzahl an Frosttagen. Der mittlere Jahresniederschlag wird zusammen mit der Veränderung des Niederschlags berechnet. Für den Extremniederschlag werden der maximale Tagesniederschlag sowie der Durchschnitt des jährlichen Höchstniederschlags, gemessen über einen Tag, analysiert. Lineare Trendlinien werden verwendet, um die zeitliche Veränderung seit 2011 zu berechnen.

Temperaturveränderungen und Veränderungen in der Anzahl an Frosttagen

Die Temperaturtrends in der Interreg-Region zeigen einen klaren Erwärmungstrend auf beiden Seiten der dänisch-deutschen Grenze. Die durchschnittliche Jahrestemperatur in der Region ist seit den späten 1800er Jahren deutlich gestiegen, aber allein seit 2011 ist die durchschnittliche Temperatur um 1,3±0,3°C (Mittelwert und Standardabweichung) gestiegen. Allerdings gibt es erhebliche geografische Schwankungen, die von 0,8°C bis 1,7°C reichen, mit einem Höchstwert von 2,6°C am Leuchtturm Kiel. Die mittlere Temperatur in der Region seit 2011 beträgt 9,7±0,3°C. Die höchsten Durchschnittstemperaturen werden geografisch in den Küstengebieten beobachtet, während die niedrigsten in den küstenfernen Gebieten im Binnenland zu finden sind. In den Küstengebieten ist ein stabilerer und gleichmäßigerer Temperaturtrend zu beobachten, während im Landesinneren größere Schwankungen auftreten, auch zwischen Mindest- und Höchsttemperaturen und somit zwischen Tag- und Nachttemperaturen. Der größte Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht ist in Gebieten in der Nähe von Kiel, Lübeck und bis hin zu den Städten Rendsburg und Schleswig zu beobachten.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Zahl der jährlichen Frosttage in der Region aus. Im Durchschnitt der Region beträgt die jährliche Anzahl der Frosttage 20,2±3,4 Tage. Im Landesinneren (>24 Tage) sind mehr Frosttage pro Jahr zu beobachten als in den Küstengebieten (<17 Tage), wo die Temperaturen im Durchschnitt höher sind. Die Gesamtzahl der jährlichen Frosttage ist seit 2011 um durchschnittlich 26 Tage zurückgegangen, wobei der stärkste Rückgang in den Küstenregionen zu beobachten war, wo sich die Zahl der Frosttage um mehr als 30 Tage verringerte, z. B. um Tønder, zwischen Lolland und Langeland und Nordwestseeland. In der Region um Kiel und Rendsburg-Eckernförde beträgt der Rückgang <23 Tage. Diese Entwicklung der Zahl der Frosttage hat Auswirkungen auf die Ökosysteme, die Landwirtschaft und den Energieverbrauch in der Region.

Niederschlagsmuster und extreme Niederschlagsereignisse

Der durchschnittliche Jahresniederschlag für die Region hat seit Ende des 19. Jahrhunderts im Durchschnitt deutlich zugenommen, aber allein seit 2011 ist der durchschnittliche Jahresniederschlag nicht signifikant gestiegen (40±90 mm). Die Tendenz ist leicht steigend, mit erheblichen jährlichen Schwankungen von einem Jahr zum anderen, aber auch mit geografischen Schwankungen: Die Gebiete zwischen Esbjerg, Nr. Nebel, Billund und Vejen (120-210 mm), Middelfart und Haderslev (160-170 mm) und Sjællands Odde und Holbæk (210-300 mm) verzeichneten den größten Anstieg des Jahresniederschlags, während das Gebiet zwischen Gedser und Falster (-40 bis -100 mm) und das Gebiet zwischen Schleswig und Rendsburg (-160 bis -170 mm) den größten Rückgang des Jahresniederschlags erlebten.

Der durchschnittliche Jahresniederschlag für die Region liegt bei 740±140 mm, wobei es auch über kurze geografische Entfernungen Schwankungen gibt. Die höchsten Jahresniederschläge werden im Gebiet zwischen Esbjerg, Billund und Vejen und von dort aus südwärts entlang des Höhenrückens durch das mittlere Südjütland und Schleswig mit Niederschlagswerten >900 mm pro Jahr gemessen. Mitteljütland und Schleswig weisen die höchsten Jahresniederschläge auf, während das Gebiet um den Großen Belt, Lolland und Fehmarn in Richtung Lübeck die geringsten Jahresniederschläge (<630 mm pro Jahr) aufweist. Die höchsten maximalen Tagesniederschläge traten in Mitteljütland, um und östlich von Nr. Nebel sowie auf Lolland und Falster auf (>65 mm pro Tag). Umgekehrt traten die geringsten Werte des maximalen Tagesniederschlags in Westseeland, dem zentralen Großen Belt, südlich von Fehmarn und im Gebiet zwischen Kappeln, Eckernförde, Rendsburg und Husum auf (<53 mm pro Tag). Die veränderten Niederschlagsmuster stellen die Wasserwirtschaft in der Region vor neue Herausforderungen und somit neue Anforderungen an die Speicherung, Entwässerung und Infrastruktur, um Überschwemmungen und Dürren entgegenzuwirken.

Implikationen und Empfehlungen

Der beobachtete Klimawandel hat weitreichende Folgen für die Infrastruktur, die Wirtschaft und die Bevölkerung in der Region. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, wirksame Klimaanpassungsmaßnahmen und -lösungen umzusetzen. Zu den wichtigsten Aufgaben gehört die Verbesserung der Wasserwirtschaft, wo beispielsweise dimensionierte Abwassersysteme und Regenwassersammelsysteme in städtischen Gebieten die Probleme durch vermehrte und plötzliche Regenfälle vermindern können. Auch die Landwirtschaft ist vom Klimawandel betroffen und muss sich an veränderte Vegetationsperioden und Niederschlagsmuster anpassen, um eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion zu gewährleisten. Bei der Stadtplanung ist es beispielsweise wichtig, Grünflächen einzubeziehen, die den Wärmeinseleffekt in dicht besiedelten Gebieten abmildern und gleichzeitig zu einem besseren Regenwassermanagement beitragen können.

Das ClimatePol-Projekt spielt eine Schlüsselrolle bei der Sicherung einer widerstandsfähigen Zukunft für die Interreg-Region. Durch die Verbindung von wissenschaftlichen Analysen mit praktischen Lösungen in den Gemeinden wird eine solide Grundlage für die Klimaanpassung geschaffen. Durch die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg kann die Region dem zukünftigen Klimawandel besser standhalten und eine nachhaltige Entwicklung für künftige Generationen sicherstellen.